Warum PCs gerade teurer werden, und wann du besser wartest
Arbeitsspeicher kostet das Vierfache von vor einem Jahr, Festplatten mehr als das Doppelte. Wir zeigen dir mit unseren echten Einkaufspreisen, was das für einen Rechner bedeutet, und warum Abwarten diesmal die schlechtere Rechnung ist.
Wenn du in den letzten Wochen Preise für einen neuen Rechner verglichen hast, ist dir vielleicht etwas aufgefallen: Es passt nicht mehr zusammen. Die Grafikkarte kostet ungefähr das, was du erwartet hast. Der Prozessor auch. Und trotzdem liegt der Gesamtpreis deutlich über dem, was derselbe Rechner vor einem Jahr gekostet hätte.
Der Grund steckt an einer Stelle, auf die kaum jemand schaut: im Speicher.
Was tatsächlich passiert ist
Seit Mitte 2025 kaufen Rechenzentren für künstliche Intelligenz die Produktionskapazitäten der drei großen Speicherhersteller leer. Samsung, Micron und SK Hynix liefern ihre Chips lieber in Serverschränke als in Riegel für Endkunden, dort wird schlicht mehr gezahlt. Was übrig bleibt, wird teuer.
Wie teuer, sieht man am besten an konkreten Riegeln. Stand August 2026, aus dem deutschen Handel:
- 32 GB DDR5-6000 kosten 475 bis 540 €. Vor der Krise waren es etwa 120 €.
- Ein Kingston Fury Beast, der einmal 114 € kostete, steht bei 523 €.
- 64-GB-Sätze liegen inzwischen über 1.000 €.
- SSDs sind im Schnitt 126 % teurer als im September 2025.
- Selbst Festplatten haben angezogen: plus 129 %. Eine 24-TB-Platte, die 308 € kostete, liegt bei 805 €.
Der Arbeitsspeicher ist damit vom Nebenposten zum größten Kostentreiber im Rechner geworden. In einem gut ausgestatteten System kostet der Speicher heute mehr als Prozessor und Mainboard zusammen.
Das ist keine Preiserhöhung, wie man sie kennt. Das ist eine Vervierfachung.
Was das für deinen Rechner bedeutet
Rechnen wir es an einem Beispiel durch, mit unseren echten Einkaufspreisen.
Ein System mit 32 GB DDR5 und einer 2-TB-SSD hätte im Februar rund 1.125 € an Bauteilen gekostet. Dieselbe Zusammenstellung kostet uns heute etwa 1.690 € im Einkauf, 565 € mehr, ohne dass ein einziges Teil besser geworden wäre.
Der Aufschlag steckt fast vollständig in zwei Positionen: Arbeitsspeicher und SSD.
Genau deshalb sieht ein sinnvoll zusammengestellter Rechner heute anders aus als vor einem Jahr. Die alte Faustregel „Arbeitsspeicher ist billig, nimm lieber gleich 32 GB" stimmt einfach nicht mehr.
Solltest du warten?
Die ehrliche Antwort ist unbequem: Wahrscheinlich nicht.
Wir haben uns die Prognosen angeschaut, und keine davon geht vor 2027 von sinkenden Preisen aus. Die Marktbeobachter erwarten hohe Preise bis mindestens Mitte oder Ende 2027, ein spürbarer Rückgang wird eher für 2028 gesehen. Der Grund ist einfach: Neue Fabriken für Speicherchips baut man nicht in einem Jahr.
Wenn du also auf bessere Preise wartest, wartest du realistisch zwei Jahre. Zwei Jahre mit einem Rechner, der dich jetzt schon stört.
Warten lohnt sich nur in einem Fall: Dein aktueller Rechner läuft, du bist nur unzufrieden. Dann ist ein einzelnes Bauteil oft die bessere Idee als ein ganzes System, dazu gleich mehr.
Wo du jetzt sinnvoll sparst
Wenn schon kaufen, dann anders zusammengestellt als früher. Drei Punkte, die heute den größten Unterschied machen:
16 GB statt 32 GB
Für Spiele reichen 16 GB nach wie vor überall. Die 32 GB waren jahrelang die bequeme Empfehlung, weil sie kaum etwas kosteten. Heute kostet dieser Bequemlichkeitsaufschlag rund 250 €. Wenn du nicht gerade Videos schneidest oder virtuelle Maschinen betreibst, steckst du das Geld besser in die Grafikkarte.
Nachrüsten kannst du später immer noch, und dann hoffentlich zu vernünftigen Preisen.
1 TB statt 2 TB
Dasselbe Prinzip beim Speicherplatz. Eine 1-TB-SSD reicht für Windows und eine ordentliche Spielesammlung. Läuft sie voll, kommt eine zweite dazu; jedes Mainboard hat einen freien Steckplatz. Ein voller Speicher ist ein Luxusproblem, das man in zehn Minuten löst.
DDR4 statt DDR5 prüfen
Das ist der Punkt, der am meisten überrascht: 32 GB DDR4 gibt es ab etwa 210 €, also für weniger als die Hälfte des DDR5-Preises. Die ältere AM4-Plattform ist dadurch gerade auffällig günstig.
Der Haken ist ehrlich zu nennen: AM4 ist am Ende seines Lebens, neue Prozessoren wird es dafür nicht mehr geben. Wenn du also planst, in drei Jahren nur die CPU zu tauschen, ist AM5 trotzdem richtig. Wenn du einen Rechner willst, der jetzt gut läuft und in fünf Jahren ersetzt wird, spart dir AM4 gerade ordentlich Geld.
Und was du besser nicht machst
Nicht aus Preisgründen zu gebrauchten Teilen greifen. Der Gedanke liegt nahe, und Speicher scheint dafür geeignet, kein Verschleiß, keine beweglichen Teile. Warum wir das trotzdem nicht mehr tun, haben wir an anderer Stelle ausführlich aufgeschrieben. Die Kurzfassung: Ein Ausfall nach acht Monaten frisst die Ersparnis von mehreren Rechnern.
Und nicht auf Angebote hereinfallen, die zu gut aussehen. Wenn ein Komplettsystem gerade auffällig billig ist, lohnt der Blick auf die Speicherausstattung. Irgendwo muss der Preis herkommen.
Wie wir damit umgehen
Wir halten keine Komponenten auf Lager, gekauft wird erst, wenn du bestellst. Das heißt in dieser Marktlage zweierlei.
Der unangenehme Teil: Wir können Preise nicht monatelang garantieren. Was wir dir nennen, gilt für dein Angebot, nicht für alle Zeit.
Der gute Teil: Du bekommst keine Bauteile, die seit einem halben Jahr im Regal liegen, und wir müssen keine überteuerten Lagerbestände über den Preis wieder hereinholen.
Wenn du gerade überlegst: Schreib uns, was du vorhast und was dein Rechner heute nicht schafft. Manchmal ist die ehrlichste Antwort, dass eine neue Grafikkarte im vorhandenen Gehäuse reicht, und die kostet gerade deutlich weniger Nerven als ein kompletter Neubau.
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